Sonntag, 5. Juni 2016

Gear Review: Montane Minimus Rain Jacket vs. Mont-Bell Versalite Rain Jacket. Ultraleichte Regenjacken im Vergleich

Ultraleichte Regenjacken 

sind das Allheilmittel aller UL-Wanderer und Thruhiker. Bei minimalem Gewicht und Packmaß versprechen sie Wetterschutz in allen Schlechtwetterlagen. 

Doch was können UL-Regenjacken wirklich? Halten sie ihren Träger ausreichend trocken?

Lest dazu meinen Praxistest...


Die Mont-Bell Versalite Jacke wiegt mit Beutel in Gr. XL 223 gr., die Monatne Minimus in XL 232 gr. Beide im Größenvergleich mit einer vernünftigen CD! 



Montane Minimus

Die Minimus Jacke hat ein lachhaft geringes Gewicht. Eine handelsübliche Regenjacke wiegt im Schnitt zwischen 500 und 700 gr. und hat ein drei mal so großes Packvolumen Diese Jacke passt in jede Hosentasche!


Meine Verkleidung als Laubfrosch. 


Normalerweise trage ich Größe L. Bei Montane muss ich immer eine Nummer größer nehmen, damit es passt. Die Jacke ist schmal und sportlich geschnitten. Heute nennt man das "athletic fit". Ein Fleece passt trotzdem noch darunter, mehr aber nicht.

Hergestellt ist die Minimus Jacke aus Pertex Shield +. Laut Montane ist das Material bis zu 20.000 mm Wassersäule wasserdicht und atmungsaktiv. Es braucht sich also hinter dem Branchenprimus Gore-tex nicht zu verstecken.


Die große Kartentasche auf der linken Brustseite mit der Meshrückseite. Man kann sie auch zur Lüftung verwenden, wenn man sie nicht benutzt und wenn es nicht allzu feste regnet.


Die Weite der Ärmelabschlüsse kann man per Klettverschluss variieren. Um die Hüfte kommt ein verstellbares Gummiband zum Einsatz. Auf der linken Brust ist eine Tasche mit einem Schlüsselhalter angebracht, deren Rückseite aus Netzmaterial besteht. In diese Tasche passt eine ganze Menge, zum Beispiel eine Wanderkarte.


Klettverschluss am Ärmelbund mit reflektierendem Aufdruck.


Die Kapuze kann mit Schnürzügen perfekt dem Gesicht angepasst werden, auf der Hinterseite befindet sich ein weiterer Schnürzug, der verhindert, dass die Kapuze nach hinten weggeweht werden kann. Der Mützenschirm ist mit einem beweglichen Draht so verstärkt, dass er auch bei starkem Wind immer da bleibt, wo er bleiben soll.


Die vorbildliche Kapuze mit dem beweglichen Draht am Mützenschirm.


Überall sind reflektierende Schriftzüge und Muster angebracht, so dass man auch im Scheinwerferlicht noch gesehen werden kann.


Mont-Bell Versalite


Die Versalite Jacke ist wesentlich weiter geschnitten als die Montane Minimus. In XL ist sie so groß und weit, dass ich locker noch eine dicke warme Jacke darunter ziehen kann.


Die Mont-Bell Versalite sieht schon eher aus wie eine vollwertige Regenjacke. Sie hat sogar Taschen für die Hände!


Mont-Bell verwendet ein Eigenmaterial, das auf den außergewöhnlichen Namen Super Hydro Breeze hört. Es soll genau so wasserdicht wie Pertex Shield + sein, die Atmungsaktivität liegt aber nur bei 15.000 mm.

Die Versalite ist noch leichter als die Minimus und bietet noch mehr Komfort. Unglaublich!


Gut zu sehen sind hier der Unterarm- RV, die Einschubtasche für die Hand und der Klettverschluss am Ärmel.


Sie verfügt über zwei Einschubtaschen für die Hände, die so angebracht sind, dass man sie auch bei geschlossenem Hüftgurt noch verwenden kann. 

Unter den Armen befinden sich jeweils zwei ca. 30 cm große Reißverschlüsse für die Unterarmventilation.

Am Bund sorgen zwei Schnürzüge für den nötigen Abschluss. Die Kapuze kann ebenfalls mit zwei Schnürzügen am Kopf fixiert werden. Wie schon bei der Minimus findet sich auch hier auf der Kopfrückseite ein weiterer Schnürzug, der verhindert, dass die Kopfbedeckung bei Wind nach hinten weggeweht wird.
Der Mützenschirm selbst ist nur im Ansatz vorhanden (nur ein Stück Stoff, kein Draht) und schützt das Gesicht nur unzureichend.


Die Kapuze ist bis auf den fehlenden Draht im Mützenschirm identisch mit der der Minimus.

Praktisch an Mont-Bells Jacke ist der Packbeutel: er ist aus dem gleichen Material wie die Jacke und so kann man auf großer Tour Reparaturen durchführen, sollte die Jacke mal eingerissen sein. Einfach ein Stück Stoff aus dem Beutel schneiden und auf die Jacke kleben. Fertig! 

Jetzt wird's ernst: die Praxis im Regen!

Wie bewähren sich die beiden Jacken im Regen?

Nun ja, man wird gehörig nass!

Beide Jacken sind nicht ausreichend "atmungsaktiv". Schon nach knapp 10 Minuten Wandern im Regen bildet sich in beiden Jacken ein subtropisches Regenwaldklima wie wenn man einen Müllsack tragen würde. 

Das Problem scheint mir folgendes zu sein: Steht außen an der Jacke Regenwasser an, kann dort kein Wasserdampf von Innen mehr entweichen. Das bedeutet, dass bei jedem Regen dadurch die vom Hersteller angegebene Atmungsaktivität schon mal gleich reduziert ist. Damit der Regen schön vom Außenmaterial abperlt, haben die Hersteller die Jacken wasserdicht imprägniert (im Neusprech der Outdoorindustrie nennt man das DWR-Finish).

In der Tat perlt Regen ganz gut ab. Aber: spätestens nach zwei Wochen Gebrauch werdet ihr feststellen, dass die Imprägnierung langsam ausgewaschen wird. Ihr erkennt das daran, dass Wasser nicht mehr perlt, sondern der Stoff selbst nasse Flecken bildet. An diesen Stellen ist die Atmungsaktivität bei Null!

Das ist kein spezielles Problem dieser beiden Regenjacken, sondern ein generelles bei allen sogenannten atmungsaktiven Jacken. Linderung verschafft hier nur ein Futterstoff, der das klitschnasse Außenmaterial vom Körper weghält. Das macht die Jacke aber gleich wieder schwerer und hilft auch nur kurzfristig.

Auf einer mehrwöchigen Wanderung ist die Unzuverlässigkeit der atmungsaktiven Regenjacken ein echtes Problem (siehe dazu auch Andrew Skurka und hier). 

Besser zum Wandern geeignet ist meiner Meinung nach ein vernünftiger Poncho (hier zu meinem Test). 

Fazit

Ultraleichte Regenjacken haben trotz aller Nachteile natürlich auch ihre Existenzberechtigung: sie können problemlos auf einer Wanderung mitgenommen werden, falls es wider erwarten doch regnet. 

Als Jacken im Dauerregen sind beide jedoch ungeeignet. 

Plant man also eine Wanderung im sommerlichen Südeuropa, wo kaum Regen zu erwarten ist, kann man sie problemlos als Backup mitnehmen. Liegt das Reiseziel jedoch in Nordeuropa, wo die Regenwahrscheinlichkeit höher liegt, halte ich atmungsaktive Jacken auf Dauer für ungeeignet. Wie gesagt, das gilt nicht nur für die beiden getesteten Jacken, sondern für alle atmungsaktiven Regenjacken, egal wie teuer sie sind.

Mein persönlicher Favorit ist die Versalite von Mont-Bell, da sie sich wenigstens über die Unterarme lüften lässt und man das Klima dadurch  ein bisschen regulieren und verbessern kann.

Außerdem, und das finde ich ganz wichtig, hat sie Einschubtaschen für die Hände! Die Montane Minimus ist schon sehr spartanisch, auch wenn sie den luxuriöseren Mützenschirm hat.

Die Montane Jacke kann man in Deutschland regulär erwerben, die Mont-Bell Jacke muss leider aus den USA mit horrenden Versandkosten und Zollgebühren importiert werden

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